
Ich möchte Euch eine Geschichte erzählen, die im Jahre 1997 im Rodenkirchen stattgefunden hat. Die Geschichte handelt von einem Mann, seiner Leidenschaft und von uns, na gut: von meiner Tochter, die ein Produkt der Besessenheit und unzähliger Arbeitsstunden getestet hat.
Das war nämlich so:
Christoph (so heißt der Mann) ist ein großer Tigerentenfan. Da er gleichzeitig ein Schwabe ist, kaufte er keine fertigen Tigerenten, sondern bastelte sie selber. Meistens waren es kleine Tigerenten, die er aus Sektflaschen bastelte. Die Flaschen, ups die Tigerenten, schenkte er allen seinen Bekannten. Er war froh und seine Freunde auch. Wer freut sich nicht über so eine tolle Tigerente? Und so ging es lange Zeit. Bis zu dem Tag, an dem eine seiner Tigerenten, nachdem Ihr Inhalt ausgetrunken war, von ein paar Barbaren (juhu, da sind wir, zum ersten Mal) zum Altglas geschmissen wurde. Das machte ihn krank. Darauf beschloss Christoph, etwas größeres zu bauen, etwas festeres, was man nicht so einfach wegwerfen kann, etwas für das ganze Leben (aber noch kein Häusle ;-)).
Könnte es etwas anderes als eine Tigerente sein? Für Christoph war die Antwort klar: NEIN! Es müßte nur eine große Tigerente sein und zwar nicht aus Glas, sondern aus einem festeren Stoff. Wie wär's mit Holz? Gesagt, getan.
Man schrieb Mitte 1997, die erste Megaente aus Holz wurde gebaut. Und zwar für seine große Liebe! Sie war zwar ein Prototyp (wobei hier nicht die Liebe gemeint ist), aber in ihrem Bauch war schon Platz genug für einen halben Kasten Bier (sie mußte schlank bleiben). Wurde verschenkt. Logisch. Aber von dieser Tigerente werde ich Euch nicht erzählen. Warum? Erstens gibt es keine Bilder, zweitens weiß ich nicht viel von dieser Geschichte (soll ich etwa von der Fahrt durch Aachen erzählen, wo die Beiden kaum den weiblichen Fans der Tigerente entkommen sind? Aber ich war nie in Aachen und auch nie sind Frauen hinter mir hergelaufen!), drittens spielten wir dabei noch keine Rolle.
Dann wurde es aber schon ernst. Christophs Bruder und seine Schwägerin erwarteten ein Kind. Da dies das erste Kind in der Familie sein sollte, mußte es natürlich richtig beschenkt werden. Logisch. Aber womit? Klar, mit einer Tigerente! Die Pläne der ersten Ente wurden verfeinert und ergänzt. Holz wurde gekauft. Es wurde gesägt, geschliffen, auch nachgedacht, geflucht, erzählt und berichtet, auch gekämpft (mit Nachbarn wegen des Lärms). Dann wurde geleimt, geölt und der kleine Tiger konnte endlich ruhig schlafen (die Nachbarn auch) und träumen (die Nachbarn nicht unbedingt), daß eines Tages aus den Türmen seine liebe Tigerente "geboren" wird.

Eines Tages war es dann soweit. Die erste multifunktionale Tigerente der Welt war erfunden. Der Tag (12. Oktober 1997) ist aus den Chroniken nicht mehr wegzudenken.
"Super", meinte Christoph. "Es ist die tollste Tigerente, die bis jetzt die Welt gesehen hat. Ist sie aber auch kindgerecht gebaut?" Hmm. Um auf diese Frage eine Antwort zu finden, hat er sein allererstes Tigerententestgrillen veranstaltet. Und zwar um die Tigerententestpilotin zu locken. Jawohl. Es hat geklappt. Na ja, nicht ganz. Veronika hat ihre Eltern (d.h. uns) mitgebracht. Ging eben nicht ohne. Macht nichts. Sonst hättet Ihr die Seite nicht bekommen.
Zuerst mußte die kleine Testerin in die Tigerente hinein um auszuprobieren, ob sie überhaupt rein paßt. Sie hat sich natürlich ohne jeglichen Widerstand einpacken lassen, das Photo täuscht :-)

Also, mit den Ausmaßen war alles in Ordnung. Jetzt konnte endlich die
Funktionalität des Wunderwerkes getestet werden. Die Tigerente wurde
Veronika überlassen. Christoph zitterte und fragte sich bestimmt,
ob die Tigerentetestpilotin auf alle ausgedachten Funktionen
der Tigerente kommt, oder auch nicht?
Kinderlogik ist doch manchmal schwer zu verstehen.
Das erste was ein Baby braucht, ist eine Wiege. Logisch.
Nur Veronika hat das irgendwie falsch verstanden.
Anstatt der Räder hat sie den Boden abmontiert.
Sollten es doch die Eltern machen müssen?

Tja, als Wiege ohne Boden taugt sie nicht. Zum Schlafen ist sie auch nicht bequem genug. Aber Moment mal, wie war es mit den Fahrzeugen der Familie Feuerstein? Ach ja, so war es doch. Füße auf den Boden und treten, treten, treten. Es funktioniert! Man kann fahren! Nur in der Kurve liegt die Renntigerente nicht besonders gut. Dafür ist aber der Spritverbrauch gering.

Und so lief es einige Zeit. Die Tigerente wurde mal geschoben, mal gezogen, mal rückwärts, mal vorwärts gefahren. Bis plötzlich Veronika nach dem Grill fragte. Es wurde ihr doch versprochen! Und versprochen ist versprochen, oder? Und so lange es nichts zu Essen gibt, so lange bleibt sie in Deckung. Gesagt, getan. Sie versteckte sich. Aus der Tiefe der Tigerente steckte sie nur ab und zu ihre Nase heraus, um zu sehen, wie weit wir mit dem Essen sind.

Tja, was konnten wir anders machen? Der Test mußte abgebrochen werden. Feuer wurde angezündet, Grillzutaten aus der Küche geholt. Und dann wurde gewartet. Endlich war das Essen fertig. Die sog. Erwachsenen setzten sich an den Tisch. Uns war aber auch schnell klar, daß Veronika nicht zum Tisch kommt. Warum? Sie hat doch die Multitigerente. Jawohl.

Dann war es schon spät und wir mußten nach Hause. Veronika war damit einverstanden. Nur eins konnte sie nicht verstehen, warum gehen wir ohne die Ente? Sie war doch für sie gebaut, oder?
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