Auf dieser WWW-Seite möchte ich euch die Geschichte des Kölner Wappens erzählen. Der Text ist größenteils anhand des Buches "Das Wappen der Stadt Köln", von Heiko Steuer, entstanden (soll heißen: meistens habe ich von da abgeschrieben).
Wie sind überhaupt Wappen in der Form, die wir heutzutage kennen entstanden? Wappen waren die Kennzeichnung der Waffen einer militärischen Einheit unter einem Anführer. Die Erkennungszeichen müssten weithin sichtbar, also einfach sein. Sie wurden als Heerbannzeichen geführt. Ab 1160 wurden aus den Zeichen Wappen. Sie waren zuerst nur für Kaiser und Könige, die hohen Reichfürsten und die hohe Geistlichkeit (unter anderen der Kölner Erzbischof) gedacht. Im Laufe des 13. Jh. dehnte sich der Gebrauch der Wappen auf andere Kreise aus. Es kamen dazu: Landeswappen (weltliche Länder und Erzbistümer bis hin zu Klöstern), Wappen der hohen weltlichen und geistlichen Fürsten, Wappen der niedrigen Adligen, der Ritter; Wappen der städtischen Patrizier und schließlich Wappen der Städte. Die Stadtwappen entstanden als letzte, nämlich erst dann, als die Städte selbständig wurden, d.h. die Patrizier sich selbst regierten und dem Kaiser ein bestimmtes Truppenkontigent stellten (es geht also weiter um die militärische Zwecke).
Das Wappen der Stadt Köln ist irgendwann in der Mitte oder der zweiten Hälfte des 13. Jh. entstanden, d.h. noch vor der Schlacht bei Worringen. Offiziell wird aber das Wappen auf etwa 1300 datiert.
Die Stadt Köln wählte als Wappen den rot-weißen Schild mit drei Kronen im roten oberen Feld - dem Schildhaupt - und einem freien weißen unteren Feld.
Es ist wirklich schwer zu sagen, was die Farben im Schild des Kölner Wappens bedeuten. Rot und Weiß sind die Farben der Hanse. Köln gehörte als bedeutende Handelsmetropole nicht nur diesem Bund der Kaufleute und Städte an, sondern ist sogar - zusammen mit Lübeck und Hamburg - Mitbegründerin der deutschen Hanse (London, Juni 1282) und damit eine der ältesten Hansestädte in Deutschland. Es gibt zahlreiche Hansestädte, die diese Farben im Wappen haben, aber eine Regel läßt sich daraus nicht ableiten. Als sich um die Mitte des 14. Jh. die Kaufmannshanse zur Städtehanse entwickelte, hatten die Städte längst ihre eigenen Wappen.
Einfacher ist es dagegen mit den drei Kronen. Sie symbolisieren die Heiligen Drei Könige, deren Gebeine, die der Kölner Erzbischof Reinald von Dassel, als Kriegsbeute aus Mailand, am 23. Juni 1164 mitbrachte. Mit der Wahl dieser Symbolik trägt die Stadt ihrem Ruf Rechnung, eines der bedeutendsten Wallfahrtsorte der christlichen Welt zu sein.
Die älteste authentische Wappendarstellung (Original, nicht Nachbildung) befindet sich im Chorfenster (Königsfester Nord V) des Domes und entstand zwischen den Jahren 1304 und 1315. Die zweitälteste (um 1330) ist auf dem Grabmal des Erzbischofs Philipp von Heinsberg, auch im Dom, zu finden. Das große Siegel der Kölner Universität, erstmals am 06.12.1392 verwendet, ist die drittälteste Darstellung des Kölner Wappens.
Seit der ersten Ausschmückung des weißen Wappenfeldes
wurden immer Hermelinsschwänze und Flamen nebeneinander verwendet.
Die tropfenförmige Zeichen sind Symbol für den Hermelinpelz,
der wiederum für die Farbe weiß steht (heraldisch gesehen).
Flammen sind wiederum Symbol der Heiligen Ursula,
wobei das Wappen der Bretagne aus Hermelinfell bestand und die Ursula eine bretonische Prinzessin war.
Also im Grunde ist doch egal, was sie sind.
Seit den 80er Jahren des 15. Jahrhunderts gibt es sowieso offizielle Bestrebungen
neue Wappenbilder zu schaffen, die die Heilige Ursula berücksichtigen.
Und warum Ursula?
Der Legende nach, ist sie doch im Köln von Hunnen getötet worden.
Außerdem, seit dem Jahr 1106,
dem Jahr der Entdeckung der vermeintlichen Ruhestätte der heiligen Jungfrauen,
brachte der Handel mit den Gebeinen der Gefährtinnen der Heiligen Ursula
der Stadt viel Reichtum und Ruhm.
Dazu war Ursula im Mittelalter die Schutzpatronin der Kölner Tuchhändler,
einem der einträglichsten Wirtschaftszweige der Stadt,
und wurde im weiteren Verlauf auch zur Stadtpatronin erhoben.
Sie hat es also wirklich verdient im Wappen der Stadt präsent zu sein.
Nur mit der Zahl der Markierungen im unteren Wappenfeld war es wie mit der Anzahl
der Begleiterinnen der Heiligen Ursula: sie war nicht konstant.
Bei den Zeichen variierte die Zahl zwischen 5 und 22
und zumindest bis 1500 ist eine Einigung auf die Zahl 11 nicht nachzuweisen.
In den heutigen Wappen gibt es 11 Zeichen
die in der Ordnung: 5, 4, 2 unter den drei Kronen zu finden sind.
Eigentlich wäre die Beschreibung des Kölner Wappens beendet, gäbe es nicht den Adler. Das Große Wappen der Stadt Köln zeigt den doppelköpfigen Reichsadler, der Schwert und Zepter hält. Er erinnert daran, daß die Stadt im Mittelalter seit 1475 offiziell als Freie Reichsstadt zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte. Was für die Kölner bedeutete, daß sie das "Reichsstadtprivileg" bekommen hatten, das wiederum 13 andere Privilegien bestätigt hat. Der Adler hat zwei Köpfe, weil der römische Kaiser zugleich der deutsche König war. Der Adler wurde zwar nach der Ernenung Kölns zur Reichsstadt ins Wappen übernommen, aber er fand da keinen festen Platz. Die Kölner fertigten lieber "vogelfreie" Wappen an.
Ende des 18. Jahrhunderts war aber Schluß mit der Reichsstadt.
Nach der Übergabe der Stadtschlüssel an die Franzosen, wurde die Stadt im Jahre 1794 besetzt.
Mit den Franzosen kam die Republik und deren Rechte,
d.h. der Adel wurde abgeschafft und auch das Recht, Wappen zu führen.
Von öffentlichen Bauwerken wurden jetzt zahlreiche Wappen entfernt.
1797 erfolgte die Eingliederung der Stadt in den französischen Staatsverband.
Dann aber hat Napoleon das Kaiserreich gegründet.
Mit der Gründung der Monarchie wurden auch wieder die Wappen zugelassen.
Ab 1809 durften auch die Städte wieder Wappen führen, sofern sie einen Antrag stellten.
Da Köln einen solchen Antrag gestellt hatte, bekam die Stadt am 6 Juni 1811 ein neues Wappen.
Nur drei Jahre war das Wappen gültig.
Am 14. Januar 1814 waren die Franzosen weg.
Jetzt kamen die Preußen. Und die hatten über das Wappen zu entscheiden. Am 21.12.1817 erlaubte der preußische König den linksrheinischen Städten, ihre alten Stadtwappen wieder führen zu dürfen und zwar mit dem alten Reichsadler und nicht den einköpfigen preußischen. Am 10. April 1818 hat dann die königliche Regierung verfügt, als Wappen der Stadt den doppelköpfigen Reichsadler mit Krone, Zepter und Schwert sowie dem Drei-Kronen-Wappen als Herzschild zu führen, weil es Wunsch der Stadt gewesen sei. Sehr schnell legten aber die Kölner den Reichsadler wieder ab. Das Wappen selbst verlor auch an Bedeutung. Im späten 19. Jahrhundert erlebte das Kölner Wappen aber eine neue Hochblüte, die erstens mit dem Sieg des Historisums und zweitens mit der Sehnsucht nach einem neuen Deutschen Reich verbunden war. Das brachte unendliche Debatten im Rathaus, wie das Stadtwappen auszusehen hätte. Man einigte sich auf die zwei Arten des Wappens (eben eine kölsche Lösung) die ich auf der vorherigen Seite gezeigt habe.
Ihr glaubt doch nicht im Ernst, daß die Geschichte schon zu Ende ist? Wir haben bis jetzt die Heraldik vernachlässigt. Erst sie sagt uns, wie ein korrektes Wappen auszusehen hat. Eine Wappendarstellung mit Schild, Helm und Helmkleinod nennt man Vollwappen. Das Wappenschild wird oftmals von den Schildhaltern gestützt, gehalten, eingerahmt. Die Wappenkunde sagt noch folgendes: wie Löwe und Greif, Marsilius und Agrippa, Bauer und Jungfrau, Vater Rhein und Mutter Colonia wird der Reichsadler als Wappenhalter aufgefaßt, also wie die anderen Schildhalter als reines schmückendes Beiwerk. Zum eigentlichen Wappen gehört der Adler erst, wenn er selbst wiederum ebenfalls von einem Schild eingefaßt wird. So stehen zwei "große" Wappen nebeneinander: Der Reichsadler im Schild mit dem Drei-Kronen-Wappen als zusätzlichem Herzschild und Drei-Kronen-Schild mit Einrahmung durch den Reichsadler.
Uff! Geschafft! Jetzt können wir endlich auf die Suche nach allen Formen des Kölner Wappens gehen.
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